Blog des Heinrich-Braun-Klinikums
22 Jahre für die Unfallchirurgie am HBK: Prof. Dr. med. Bernhard Karich beendet seine Zeit als Chefarzt
29.07.2026An seinen ersten Arbeitstag am Heinrich-Braun-Klinikum erinnert sich Prof. Dr. med. Bernhard Karich bis heute ganz genau. Mehr als 22 Jahre später endet für ihn die Zeit als Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Physikalische Medizin. Was in dieser Zeit entstanden ist, reicht weit über den Ausbau einer Klinik hinaus: Gemeinsam mit seinem Team und zahlreichen Wegbegleitern entwickelte er die Unfallchirurgie zu einer leistungsstarken Einrichtung der regionalen und überregionalen Traumaversorgung und setzte zugleich wichtige Impulse in Wissenschaft, Forschung und Lehre.
Dabei war der Schritt von seiner Heimat in Bautzen nach Zwickau keineswegs selbstverständlich. Erst im zweiten Anlauf führte ihn sein beruflicher Weg an das Heinrich-Braun-Klinikum – eine Entscheidung, die sich für beide Seiten als Glücksfall erweisen sollte. Gemeinsam mit seiner Frau, Kindern und Enkel fand Prof. Dr. med. Karich hier nicht nur beruflich, sondern auch privat eine neue Heimat.
Der gebürtige Oberlausitzer studierte Humanmedizin und absolvierte seine fachärztliche Ausbildung in der Chirurgie in Bautzen. Nach Stationen als Oberarzt und Leitender Arzt der Zentralen Notaufnahme führte ihn sein Weg schließlich im Jahr 2004 als Chefarzt an das Heinrich-Braun-Klinikum. Wissenschaft und klinische Praxis begleiteten den heute 65-Jährigen dabei von Beginn an – unter anderem mit seiner Promotion sowie zahlreichen Forschungsprojekten, die seine spätere Arbeit in Zwickau nachhaltig prägten.
Gemeinsam die Unfallchirurgie weiterentwickelt
Was Prof. Dr. med. Karich in den vergangenen 22 Jahren gemeinsam mit seinem Team aufgebaut hat, zeigt sich heute nicht nur in neuen Strukturen oder erfolgreichen Zertifizierungen. Aus einer Klinik, in der zu Beginn seiner Amtszeit rund 15 Schwerstverletzte pro Jahr behandelt wurden, entwickelte sich unter seiner Leitung eine Einrichtung, die heute jährlich etwa 150 schwer- und schwerstverletzte Patienten versorgt. Mit dem Aufbau des Traumazentrums, der Zulassung zum Schwerstverletztenartenverfahren der gesetzlichen Unfallversicherung sowie der Zertifizierung als Zentrum für Alterstraumatologie und Rehabilitation wurden wichtige Meilensteine erreicht. Heute zählt die Klinik zu den leistungsstarken Einrichtungen der Schwerverletztenversorgung in Sachsen.
Über diese Entwicklung spricht Prof. Dr. med. Karich allerdings nie als persönliche Leistung. Vielmehr verweist er auf die Menschen, die diesen Weg gemeinsam gegangen sind. Für ihn war gute Medizin immer Teamarbeit, getragen von Ärzten, Pflegekräften, Therapeuten und vielen weiteren Berufsgruppen. Gerade in der Versorgung schwerstverletzter Patienten sei das Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend, um den bestmöglichen Behandlungserfolg zu erreichen. Auch aus Sicht des Pflegeteams war diese Einstellung im Alltag spürbar. Bereichsleiterin Doreen Neudeck, die seit 1989 auf der unfallchirurgischen Station tätig ist und damit die gesamte Amtszeit von Prof. Dr. med. Karich miterlebt hat, beschreibt die Zusammenarbeit so: „Prof. Dr. med. Karich hat die Arbeit aller immer sehr geschätzt. Für ihn war das gesamte Behandlungsteam gleichermaßen wichtig für die Patientenversorgung. Das hat man im täglichen Miteinander gespürt – in den gemeinsamen Teambesprechungen ebenso wie morgens auf der Station, wenn er jeden begrüßte, unabhängig von Funktion oder Aufgabe. Diese Haltung hat unsere Zusammenarbeit über all die Jahre geprägt.“ Dieses Verständnis spiegelte sich auch in seinem wissenschaftlichen Wirken wider. Schon früh faszinierte ihn die Verbindung von Medizin und Naturwissenschaft. Ursprünglich wollte er Biochemie studieren, entschied sich schließlich jedoch für die Medizin – und verband beides im Laufe seiner beruflichen Laufbahn auf besondere Weise miteinander.
Wissenschaft aus Überzeugung
Forschung verstand Prof. Dr. med. Karich nie als Selbstzweck, sondern als Chance, neue Erkenntnisse unmittelbar in die Patientenversorgung zu übertragen. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie war er unter anderem an der Entwicklung der sogenannten „Zwickauer Knöchelschraube“ beteiligt – eines innovativen Implantats zur minimalinvasiven Versorgung von Sprunggelenkfrakturen bei älteren Patienten. Darüber hinaus initiierte und begleitete er weitere Forschungsprojekte zur klinischen Anwendung von CO₂-Trockenbädern.
Seine Begeisterung für Wissenschaft gibt Prof. Dr. med. Karich bis heute an die nächste Generation weiter. Als Honorarprofessor der Westsächsischen Hochschule Zwickau engagiert er sich seit vielen Jahren in Lehre und wissenschaftlicher Ausbildung und verbindet klinische Praxis, Forschung und akademische Lehre auf besondere Weise. Diese Offenheit prägte auch die tägliche Zusammenarbeit im ärztlichen Team. Stellvertretend für das gesamte Team der Klinik für Unfallchirurgie blickt Oberarzt Christian Kupper auf diese Zeit zurück: „Prof. Dr. med. Karich hat den offenen und ehrlichen Austausch immer gelebt – mit den Patienten ebenso wie mit seinen Mitarbeitern. Er hatte jederzeit ein offenes Ohr und ließ uns an seinem großen Erfahrungsschatz teilhaben. Gerade jüngere Kollegen konnten davon fachlich und persönlich viel mitnehmen.“
Über die Klinik hinaus engagiert
Auch der Sport lag Prof. Dr. med. Karich am Herzen. Er baute die sportmedizinischen Kooperationen des Heinrich-Braun-Klinikums mit dem FSV Zwickau und dem BSV Sachsen Zwickau auf und begleitete die Mannschaften über viele Jahre als Mannschaftsarzt. Für ihn war der fachliche Austausch – ob mit Partnern aus Medizin, Wissenschaft oder Sport – stets eine Chance, voneinander zu lernen, Innovationen voranzubringen und gemeinsam die Patientenversorgung weiterzuentwickeln. Dabei stand für Prof. Dr. med. Karich stets eines im Mittelpunkt: Nicht Rang oder Titel, sondern die Menschen, die gemeinsam Verantwortung übernehmen – und die Patienten, für die sie da sind.
Dem HBK weiterhin verbunden
Auch nach der Übergabe der Chefarztfunktion bleibt Prof. Dr. med. Karich dem Heinrich-Braun-Klinikum erhalten. Als Leitender Arzt für Rehabilitation bringt er seine langjährige Erfahrung auch künftig in die rehabilitative Versorgung der Patienten sowie in Forschung und Lehre, die Zusammenarbeit mit der Westsächsischen Hochschule und der gesetzlichen Unfallversicherung ein.
Dennoch bleibt nun etwas mehr Raum für das, was im anspruchsvollen Klinikalltag oft zu kurz kam: gemeinsame Reisen mit seiner Frau, Sport, die Natur und seine Leidenschaft für die Fotografie. Den Sportvereinen, die ihn über viele Jahre begleitet haben, bleibt er ebenfalls verbunden – künftig vielleicht etwas häufiger von der Tribüne als direkt am Spielfeldrand.
„Prof. Dr. med. Karich und ich haben einen großen Teil unserer beruflichen Laufbahn am Heinrich-Braun-Klinikum gemeinsam erlebt und gestaltet. In diesen mehr als zwei Jahrzehnten hat er gemeinsam mit seinem Team die Entwicklung der Unfallchirurgie entscheidend mitgeprägt. Sein Name steht für medizinische Qualität, wissenschaftliche Neugier und den Mut, neue Wege zu gehen. Für dieses außergewöhnliche Engagement danke ich ihm persönlich und im Namen des gesamten Heinrich-Braun-Klinikums sehr herzlich. Umso mehr freue ich mich, dass er unserem Klinikum auch künftig mit seiner Erfahrung erhalten bleibt“, sagt HBK-Geschäftsführer Rüdiger Glaß.