Das Heinrich Braun Krankenhaus in den 1920er Jahren

Vorgeschichte

Die Stadt Zwickau verfügt seit dem 24. September 1845 über ein Kreiskrankenstift im Areal am Frauenanger vor dem „Plaun’schen Thore“ zwischen den nach Plauen (heute Bahnhofstraße/Reichenbacher Straße) und Werdau (Werdauer Straße) führenden Straßen. Die Hauptbestimmung des Stifts – für chronische und chirurgische, mutmaßlich noch heilbare Krankheitsfälle – war in der Stiftungsurkunde festgeschrieben. Hier begründet sich die spätere Entwicklung zu einer vorwiegend chirurgisch dominierten Klinik. 1860 wurde das Hauptgebäude aufgestockt und in Folge eines Erweiterungs- und Neubaus stieg die Bettenzahl von 45 auf 252. Während der Choleraepidemie (1865-1866) wurde das Stift als städtisches Krankenhaus und von 1866-1893 zusätzlich als Garnisonslazarett genutzt. Das Kreiskrankenstift wurde 1898 der Landesverwaltung unterstellt und zum „Königlichen Krankenstift“ erhoben.

Die Ära Heinrich Braun

Am 9. Januar 1906 übernahm Prof. Dr. Heinrich Braun im Alter von 44 Jahren die Direktion des Königlichen Krankenstifts mit rund 250 Betten. Er prägte in den folgenden Jahren das chirurgische und akademische Niveau des Königlichen Krankenstifts. Das Haus war trotz aller Um- und Erweiterungsbauten zu klein. Eine Erweiterung am damaligen Standort in der Innenstadt war unmöglich. Die Lage inmitten einer schmutzigen Stadt, der Verkehrslärm und besonders die alltäglichen Ascheausbrüche aus dem Schornstein des benachbarten Elektrizitätswerkes wirkten sich eher negativ auf den Gesundheitszustand der Patienten aus. Braun bemühte sich deshalb um einen Neubau. Er war Spiritus rector der Planung und Gestaltung des Krankenhausneubaus im Stadtteil Marienthal. 300.000 m² Baugrund standen zur Verfügung, auf dem 1913 der Baubeginn erfolgte.
Prof. Dr. Heinrich Braun
Im Jahr 1918 wurde die Umbenennung in (Staatliches) Krankenstift Zwickau vollzogen. Zwei Jahre später folgte die Fertigstellung des Rohbaus in Marienthal. Am 1. Dezember 1921 konnten die Chirurgische Abteilung und das Röntgeninstitut in der neuen Anstalt in Betrieb genommen werden. Es folgten eine Innere Abteilung (292 Betten), die physikalisch-therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten, das Pathologische Institut mit großem, noch heute existierenden Hörsaal (Haus 90) sowie eine EKG-Abteilung. Ein Beschluss des sächsischen Staatsministeriums erkannte das Krankenstift am 09. Dezember 1921 als Forschungsinstitut an.

Mit dem Neubau und der Einweihung der Frauenklinik hatte die bauliche Entwicklung 1930 ihren vorläufigen Abschluss gefunden. Das Klinikum verfügte zum damaligen Stand über 787 Betten, von denen 311 auf die Medizinische Klinik, 276 auf die Chirurgische Abteilung und 200 auf die Frauenklinik entfielen.
Am 1. April 1928 übernahm Prof. Dr. Kulenkampff, der Schwiegersohn Heinrich Brauns, die Leitung der Chirurgischen Abteilung und Prof. Dr. Eskuchen wurde Ärztlicher Direktor des Krankenstiftes. Am 26. April 1934 verstarb Heinrich Braun in Überlingen/Bodensee. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt das Staatliche Krankenstift sechs Monate nach seinem Tod den Namen seines Gründers.


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