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Blog des Heinrich-Braun-Klinikums

Internationaler Tag der Patientensicherheit

17.09.2022

Am Samstag, dem 17. September 2022 ruft das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. den jährlichen Internationalen Tag der Patientensicherheit aus. In diesem Jahr wird das Augenmerk auf das Thema „Mach dich stark für Patientensicherheit – Sicherere Medikation" gerichtet. Bundesweit beteiligen sich zahlreiche Gesundheitseinrichtungen an dem Aktionstag. Auch das Heinrich-Braun-Klinikum macht mit und sensibilisiert für das wichtige Thema. Ab Freitag, dem 16. September 2022 werden entsprechende Informationsbroschüren bei der Patientenaufnahme am Standort Zwickau ausgegeben und an den bekannten Auslagestellen zu finden sein.

Motto 2022 – „Sichere Medikation“:
Jeder Mensch auf der ganzen Welt wird irgendwann in seinem Leben Medikamente einnehmen, um Krankheiten vorzubeugen oder sie zu behandeln. Medikamente verursachen jedoch manchmal ernsthafte Schäden, wenn sie falsch gelagert, verschrieben, abgegeben, verabreicht oder unzureichend überwacht werden. Medikations- und Behandlungsfehler sind weltweit eine der Hauptursachen für vermeidbare Schäden im Gesundheitswesen. Jährlich führen Medikationsfehler zu etwa 250.000 Krankenhauseinweisungen, was ungefähr fünf Prozent aller Fälle ausmacht. 40 Prozent der Patienten, die drei oder mehr Medikamente einnehmen, haben schon einmal Probleme mit ihrer Medikation festgestellt, zum Beispiel indem sie Tabletten vergessen, sie zum falschen Zeitpunkt eingenommen oder verwechselt haben. Fehlerhafte Medikation tritt zudem auf, wenn unzureichend organisierte Behandlungsabläufe und menschliche Faktoren wie Müdigkeit, schlechte Rahmenbedingungen oder Personalmangel die Sicherheit der Anwendungen von Medikamenten beeinträchtigen. Dies kann zu schweren Schäden, Behinderungen und sogar zum Tod des Patienten führen. Die anhaltende COVID-19-Pandemie hat das Risiko von Medikationsfehlern und damit verbundenen arzneimittelbedingten Schäden erheblich verschärft. Eine norwegische Studie stellte beispielsweise fest, dass 18,2 Prozent der Todesfälle im Krankenhaus auf ein oder mehrere Medikamente zurückgeführt werden können.

Wie steuert das HBK dagegen? – Die digitale Medikation:
Sicherheit in der Arzneimitteltherapie ist ein fundamentales Thema im klinischen Krankenhausmanagement. Um Medikationsfehler zu vermeiden, hat sich das Heinrich-Braun-Klinikum das Ziel gesetzt, bis 2024 das sogenannte Closed Loop Medication Management (CLMM) umzusetzen. Das ist ein vollständig elektronisch-basiertes System, das die Medikation von der Aufnahme des zu Behandelnden bis zur Entlassung erfasst und organisiert und so Medikationsfehler maßgeblich reduziert.

Im CLMM wird die Medikamentengabe als ganzheitlicher, geschlossener Prozess gesehen. Der Kreislauf beginnt damit, dass Medikamente durch ärztliches Fachpersonal elektronisch verordnet und diese Informationen direkt an die Krankenhausapotheke übermittelt werden, bis sie schließlich die zu behandelnde Person am Krankenhausbett erreichen. Zum Prozess gehört dabei auch die Dokumentation der Medikamente. Involviert ist ein interdisziplinäres, abteilungsübergreifendes Team, bestehend aus Ärzten und Apothekern,  sowie dem Pharmazeutisch-technischen- und dem Pflegepersonal. Dreh- und Angelpunkt des Ablaufes ist ein elektronisches Verordnungssystem. Es entsteht ein geschlossener Kreislauf (engl. „Closed Loop“) zwischen allen Beteiligten, der dem Managementsystem seinen Namen verleiht.

Mit dem Start der Einführung der elektronischen Verordnungssoftware wurde als erster Schritt der noch vorhandene „Medienbruch“ zur Aufnahme der Hausmedikation der Patienten überwunden. Nur wenige Patienten verfügen aktuell über einen Bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) und somit über eine durch Barcodescanner lesbare Version ihrer Medikation. Oft werden die Medikamente noch als handschriftlicher Zettel vorgelegt oder Patienten zeigen Fotos der Packungen. Insbesondere ältere Patienten kennen die Namen der Medikamente, die sie bekommen, nicht oder haben auch vergessen, wofür sie diese einnehmen müssen.
Die Hausmedikation muss somit erfasst und in das Verordnungssystem händisch eingegeben werden. Dabei soll neben der Medikamenten- und Wirkstoffauswahl  die Dosierung und der richtige Einnahmezeitpunkt beachtet werden. Auch gilt es, weitere Medikamente aus dem Bereich der Selbstmedikation zu erfassen und so ein ganzheitliches Bild zu bekommen. Vielen Patienten sind die Wechselwirkungen bzw. Interaktionen mit freiverkäuflichen Präparaten oft nicht bewusst.

Um hier eine hohe Arzneimitteltherapiesicherheit zu garantieren und um mögliche Übertragungsfehler zu reduzieren, hat sich das HBK zur Etablierung einer Zentralisierten Arzneimittelanamnese am Standort Zwickau (im Aufnahmebereich Haus 6) entschlossen. Dabei wird die Medikation des Patienten durch Pharmazeutisches Fachpersonal erfasst und in die elektronische Verordnungssoftware  eingefügt. Somit wird eine hohe Datensicherheit bei der Überwindung des Medienbruchs sichergestellt. Die Apotheker und Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) besprechen die Medikation mit dem Patienten und können schon bei Aufnahme gezielte Hinweise zur Versorgung während des klinischen Aufenthaltes an den behandelten Arzt geben. Sie unterstützen somit den Umstellungsprozess auf die Hausmedikation und können mögliche Fehler verhindern.

Nach der Erfassung der Aufnahmemedikation in der zentralisierten Arzneimittelanamnese wird die Medikation durch den Arzt auf die Klinikmedikation umgesetzt. Dann kann die ärztliche Anordnung auf Station erfolgen. Dabei stehen Stationsapotheker und PTAs für die individuelle arzneimittelbezogene Beratung der dort tätigen Ärzte sowie Pflegekräfte zur Verfügung. Zudem betreuen sie die Patienten bezüglich ihrer Arzneimitteltherapie während des Klinikaufenthaltes. Sie verstehen sich als Mitglieder eines interprofessionellen Teams und übernehmen Mitverantwortung für die Arzneimitteltherapie und deren Sicherheit im Krankenhaus. Außerdem optimieren und bewerten die Apotheker die individuelle Arzneimitteltherapie im Hinblick auf deren Zweckmäßigkeit, Wirksamkeit, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und die Adhärenz der Patienten. Die Pflegekraft dokumentiert die Applikation in der elektronischen Patientenakte entsprechend der ärztlichen Anordnung, sodass jederzeit digital nachvollzogen werden kann, wer die Medikation wann verabreicht hat.

Bei der Entlassung des Patienten wird die Klinikmedikation auf eine Entlassmedikation umgesetzt und ein BMP erstellt.

Vorteile der Einführung digitaler Medikation:

  • allgemeine Erhöhung der Patientensicherheit (Minimierung von Übertragungsfehler und der Wirkstoffverwechslung)
  • hohe Qualität der Aufnahmemedikation durch intensive Gespräche mit Stationsapotheker bzw. PTA
  • große Zeitersparnis für Ärzte, da die komplette Aufnahmemedikation vorab stattfindet und die Patienten mit vollständiger Medikation auf Station erscheinen
  • die Arzneimitteltherapiesicherheit wird durch die effektive Zusammenarbeit von Arzt und Apotheker auf Station (durch klinisch-pharmazeutische Sichtweise) verbessert
  • durch das elektronische Verordnungssystem:
    • werden Lesbarkeit und Vollständigkeit verbessert (durch Verzicht auf handschriftliche Verordnungen und durch die Verwendung von Arzneimitteldatenbanken anstatt Freitextangaben)
    • ist Transparenz und Verfügbarkeit gegeben (durch eine klare Zuordnung der Tätigkeiten und Verordnungsinformationen können zu jeder Zeit und von allen Arbeitsplätzen abgerufen werden)
    • wird die Sicherheit durch den „ID-Pharma-Check“ verbessert (bei der Medikamentenanordnung erfolgen sofort digitale Hinweise und Warnungen auf Kontraindikationen, Allergien, Arzneimittelinteraktionen, mögliche unerwünschte Wirkungen und Dosierungsfehler)
  • Papierressourcen werden eingespart
 
Hintergründe zum Tag der Patientensicherheit:
Der Welttag der Patientensicherheit ist einer der globalen Gesundheitstage der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welcher seit 2019 jährlich am 17. September als Aktionstag ausgerufen wird. Ausgangspunkt für die WHO-Initiative sind die vom Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) seit 2015 ausgerufenen Aktionstage. Ziele sind die Sensibilisierung und das Engagement der Öffentlichkeit, die Verbesserung des globalen Verständnisses und die Arbeit an globaler Solidarität und Maßnahmen der Mitgliedstaaten zur Verbesserung der Patientensicherheit und Verringerung von Patientenschäden.

Ziele des Welttages der Patientensicherheit 2022:
  • Schärfung des weltweiten Bewusstseins für die hohe Belastung durch arzneimittelbedingte Schäden aufgrund von Medikationsfehlern und unsicheren Praktiken sowie Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit.
  • Einbeziehung wichtiger Interessengruppen und Partner in die Bemühungen, Medikationsfehler zu vermeiden und medikamentenbedingte Schäden zu reduzieren.
  • Stärkung von Patienten und Familien, sich aktiv an der sicheren Anwendung von Medikamenten zu beteiligen.
  • Focierung der Umsetzung der WHO Global Patient Safety Challenge: „Medication Without Harm“ (dt. „Medikamente ohne Schaden“).


Ansprechpartner

Unternehmenskommunikation: 0375 51-2470


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