Neurorehabilitation erfolgreich zertifiziert

19.09.2017

In diesem Sommer hat sich die Klinik für Neurorehabilitation des Heinrich-Braun-Klinikums am Standort Kirchberg einer umfangreichen Qualitätsprüfung gestellt. Ohne Abweichungen wurden alle Anforderungen der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation (DEGEMED) und des TÜV Rheinlands erfüllt. Das Zertifikat bescheinigt der Kirchberger Klinik nun offiziell ein Höchstmaß an Behandlungsqualität – angefangen von der Frührehabilitation bis hin zur Wiedereingliederung in den Alltag.

Dr. med. Steven Grieshammer, Chefarzt der Klinik für Neurorehabilitation
„Ein langer Weg ist nun endlich geschafft“, freut sich Dr. med. Steven Grieshammer, Chefarzt der Klinik für Neurorehabilitation am Standort Kirchberg über die erfolgreiche Zertifizierung. Sie bestätigt nicht nur die ausgezeichnete Qualität und Sicherheit, die für jeden Patienten gewährleistet wird, sondern ist auch ein wichtiger Faktor zur langfristigen Sicherung des Standortes. „Die Zertifizierung ist notwendig, um als stationäre Rehabilitationseinrichtung Versorgungs- und Belegungsverträge mit den Leistungsträgern abzuschließen“, erklärt der Mediziner. „Ohne diese könnten wir die weiterführenden medizinischen Rehabilitations-Phasen C und D nicht anbieten.“ Der Gesetzgeber stellt damit eine gleichbleibend hohe Qualität in allen Rehabilitationseinrichtungen Deutschlands sicher.

Zwei Auditoren des TÜV Rheinlands waren insgesamt über 30 Stunden im Kirchberger HBK unterwegs. Sie überprüften neben personellen und sachlichen Ressourcen der Klinik, also Faktoren wie Mitarbeiterzahl, Fachwissen des multiprofessionellen Behandlungsteams sowie vorhandene Diagnosegeräte und Therapieeinrichtungen, auch allgemeine Aspekte wie den Zustand des Krankenhausgebäudes oder den barrierefreien Zugang. Weiteres Augenmerk wurde auf die Bereiche Datenschutz, Hygiene, Arbeitssicherheit und Brandschutz gelegt. Die Prüfer bestätigten der Klinik in ihrem Abschlussbericht einen hohen Stellenwert der Patientensicherheit sowie die vorbildhafte Entwicklung des Klinik-Leitbildes und des Qualitätsmanagementsystems. Zudem lobten sie die hoch professionelle Zusammenarbeit und sehr gute Kommunikation innerhalb des multiprofessionellen Teams. Damit erfüllte die Klinik alle Anforderungen der Norm DIN EN ISO 9001:2015 und des Auditleitfadens 6.0 nach den Vorgaben der DEGEMED. „Das sehr gute Ergebnis der Überprüfung macht uns alle sehr stolz. Es ist eine tolle Bestätigung für die tägliche Arbeit, die das gesamte Team gemeinsam leistet, und zugleich ein wichtiges Signal für unsere Patienten und deren Angehörige, dass sie bei uns in guten Händen sind“, sagt Chefarzt Dr. med. Grieshammer.

Die Klinik für Neurorehabilitation im Überblick

In der Klinik für Neurorehabilitation des HBK am Standort Kirchberg werden seit April 2015 Patienten der Phase B (Frührehabilitation) unmittelbar nach einem akuten Ereignis wie z. B. Schlaganfall, schwere Schädel-Hirnverletzungen sowie Hirnschädigungen aus der Region in und um Zwickau versorgt. Das umfasst beispielsweise die Entwöhnung von Trachealkanülen, die Behandlung von Schluck- und Sprachstörungen sowie intensive Mobilisierungsmaßnahmen. Im September 2016 wurde das Versorgungsangebot auf die Phasen C (Weiterführende Rehabilitation) und D (Medizinische Rehabilitation) ausgeweitet. So kann vor Ort nahtlos mit den Anschlussbehandlungen fortgefahren werden, um die Alltagskompetenzen weiter zu fördern und eine selbstständige Lebensführung bis hin zur Wiedereingliederung der Patienten in den Alltag zu ermöglichen. Weiterhin wird gegenwärtig das Angebot zur Beatmungsentwöhnung in der Phase B erweitert. Die Klinik ist mit diesem Spektrum die einzige Einrichtung dieser Art in der Region. Besucher profitieren von kurzen Besuchswegen ihrer Angehörigen und können unmittelbar in den Rehabilitationsverlauf mit einbezogen werden.

Verteilt auf zwei Etagen und zwei Stationen stehen neben den 24 Behandlungsplätzen der Phase B insgesamt weitere 19 Betten für die Anschlussbehandlungen zur Verfügung. In einem multiprofessionellen Team der Klinik arbeiten Ärzte und Pflegefachpersonal aus dem Bereich Neurologie mit Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Sozialarbeitern und Neuropsychologen Hand in Hand. Gemeinsam wird für jeden Patienten ein individuelles Therapieprogramm erarbeitet, welches eine optimale Rehabilitation ermöglicht. In einem großen Therapiebereich werden modernste Geräte vorgehalten. So fördert das PC-gestützte und geräteassistierte Training Patienten mit Motorik- und Gleichgewichtsstörungen sowie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Mit dem Gangtrainer und im Bewegungsbad können Patienten mit Gangstörungen oder Teillähmungen ihre ersten Schritte wagen und festigen.

Das Phasenmodell der Rehabilitation in Deutschland

Im Jahr 1994 legte der ehemalige Verband der Deutschen Rentenversicherungsträger das Phasenmodell der Neurorehabilitation vor. Bereits ein Jahr später begann die Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) mit der Erarbeitung einer trägerübergreifenden Definition der Phasen. Ausgangspunkt aller Empfehlungen ist ein ganzheitlicher Ansatz, der die physischen, psychischen und sozialen Aspekte des Betroffenen umfasst. Die BAR-Empfehlungen sind fachlich anerkannt und akzeptiert und haben zu einem bedarfsgerechten beziehungsweise bedarfsgerechteren Ausbau der Behandlungsplätze beigetragen.

Phase A (Akutbehandlung):

Die Akutbehandlungsphase beinhaltet erste rehabilitative Ansätze in einer neurologischen, neurochirurgischen oder internistischen Klinik (Intensivstation) unmittelbar nach dem Ereignis.


Phase B (Frührehabilitation):

In dieser Behandlungsphase müssen meist auf Grund von schweren Bewusst-seinsstörungen intensivmedizinische Behandlungsmöglichkeiten vorgehalten werden.


Phase C (Weiterführende Rehabilitation):

Die Phase C ist eine Behandlungs- und Rehabilitationsphase, in der die Rehabilitanden bereits in der Therapie mitarbeiten können, aber noch kurativmedizinisch und mit hohem pflegerischen Aufwand betreut werden müssen.


Phase D (Medizinische Rehabilitation):

Diese Rehabilitationsphase findet nach dem Abschluss der Frühmobilisation statt. Es soll eine weitestgehende Wiedereingliederung des Rehabilitanden in Alltag und Beruf erreicht werden.


Phase E (Nachgehende Rehabilitation):

Die Behandlungs-/Rehabilitationsphase E findet nach Abschluss einer intensiven medizinischen Rehabilitation statt. Im Mittelpunkt stehen Leistungen zur Sicherung des Erfolges der medizinisch-therapeutischen Rehabilitation und Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beziehungsweise zur Teilhabe an Erziehung und Bildung sowie am Leben in der Gemeinschaft.


Phase F (Aktivierende Rehabilitation):

Die aktivierende Rehabilitation beschreibt eine Phase, in der dauerhaft unterstützende, betreuende und/oder zustandserhaltende Leistungen erforderlich sind. Darunter zählt beispielsweise die Langzeitpflege.


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