Herzschonende Bestrahlung für Brustkrebspatientinnen

15.08.2017

Seit Ende 2016 können am Heinrich-Braun-Klinikum, Standort Zwickau Patientinnen mit linksseitigem Brustkrebs besonders schonend bestrahlt werden. Dank der atemgesteuerten Bestrahlung kann die Dosisbelastung an benachbarten Organen gesenkt und damit auch das Risiko, später an Herzerkrankungen zu leiden, deutlich verringert werden. Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des HBK zählt dabei zu einer der wenigen Kliniken in Sachsen, die diese innovative Methode anbietet.

Zur Bestrahlungsplanung wird eine Computertomografie in verschiedenen Atemphasen ...
Bei der eigentlichen Behandlung wird die Atembewegung der Patientin ...
Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. Nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft wird die Diagnose jährlich über 70.000 Mal gestellt – etwa bei der Hälfte aller Betroffenen sitzt der Tumor auf der linken, herznahen Seite. Gerade hier ist eine schonende Behandlung besonders wichtig. „Bei der sogenannten atemgetriggerten Bestrahlung („Deep Inspiration Breath Hold“) erfolgt die Bestrahlung in einer ganz bestimmten Atemphase, nämlich bei tiefer Einatmung. Die Patientinnen müssen also für eine gewisse Zeit die Luft anhalten. Dabei vergrößert sich der Abstand zwischen Brustwand und Herz, wodurch die Strahlenbelastung und damit mögliche Spätfolgen für das Herz deutlich reduziert werden können. Auch der Anteil der bestrahlten Lunge nimmt bei tiefer Einatmung ab“, so Dr. med. Alexander Boicev, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am HBK über die Vorteile dieser Technik.

Am Heinrich-Braun-Klinikum wurde die atemgetriggerte Bestrahlung das erste Mal im Dezember vergangenen Jahres angewandt. Seitdem wurden mehr als 60 Patientinnen erfolgreich mit der Bestrahlungstechnik behandelt. „Um unseren Brustkrebspatientinnen diese schonende Methode anbieten zu können, mussten neben intensiven Personalschulungen auch zusätzliche medizinische Geräte angeschafft werden. Insgesamt haben wir rund 300.000 Euro investiert“, so der Klinikleiter. Wirtschaftliche Vorteile bringe diese Methode keine. Vermutlich bieten deshalb nur wenige Kliniken in Sachsen diese Technik an. „Für viele unserer Patientinnen stellt diese Bestrahlung eine sicherere und effektivere Option dar, für die das Heinrich-Braun-Klinikum gerne bereit war, zu investieren.“ Im Jahr werden in der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie über 1.500 Patienten behandelt, rund zehn Prozent davon mit linksseitigem Mammakarzinom.

Die Bestrahlung im Detail
Bei der Bestrahlung in Atemanhaltetechnik wird die Atembewegung des Brustkorbes kontinuierlich durch einen Oberflächenscanner überwacht. Über eine Videobrille kann die Patientin ihre Atmung direkt verfolgen. Auf ein Kommando hin atmet die Patientin tief ein bis die Einatmung den vorher definierten Referenzbereich erreicht. Der Therapiestrahl wird freigegeben. Kann die Patientin nicht länger die Luft anhalten und der Referenzbereich wird verlassen, wird die Bestrahlung automatisch unterbrochen. „Bei dieser Bestrahlungstechnik ist die Akzeptanz und Mitarbeit der Patientinnen sehr wichtig“, so Chefarzt Dr. med. Boicev. Die Patientinnen müssen deshalb vor der Behandlung verschiedene Brustatemübungen durchführen und das Luftanhalten trainieren. Mindestens 20 Sekunden sollten problemlos durchgehalten werden, ohne sich dabei zu überfordern. „Die Patientinnen begrüßen die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit, was sich auch positiv auf den Behandlungserfolg auswirkt.“ Nach Operation eines Brusttumors sind üblicherweise insgesamt 28 Bestrahlungssitzungen von je circa 20 Minuten Dauer notwendig. Danach liegt die Rückfallquote deutlich unter fünf Prozent. Durch die atemgesteuerte Bestrahlungstechnik sind späte Nebenwirkungen am Herzen nicht mehr zu erwarten.


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