Großer Andrang zum Patiententag Multiple Sklerose

04.04.2017

Am 29. März hatte die Klinik für Neurologie zum Patiententag Multiple Sklerose geladen. Über 70 Interessierte und Betroffene fanden den Weg in die Kapelle des Heinrich-Braun-Klinikums, um sich über die so genannte Krankheit mit den tausend Gesichtern zu informieren.

Über 70 Interessierte, Betroffene und Angehörige fanden den Weg in die Kapelle ...
Dr. med. Stefan Merkelbach zeigte sich sichtlich erfreut über das große ...
Vor und nach den Vorträgen herrschte Betriebsamkeit an den Informationsständen ...
Das Vortragsprogramm zu der Autoimmun-erkrankung startete zwar erst ab 16.30 Uhr. Die ersten Interessierten und Betroffenen fanden allerdings bereits eine Stunde eher den Weg in die Kapelle des Heinrich-Braun-Klinikums. Hier konnten sie sich bei Ausstellern zum Thema MS informieren und bereits vorab mit Experten und Betroffenen im persönlichen Gespräch Fragen und Erfahrungen zur Erkrankung austauschen.

Pünktlich um 16.30 Uhr eröffnete Dr. med. Stefan Merkelbach, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Heinrich-Braun-Klinikum, die Veranstaltung und gab einen kleinen Ausblick auf die folgenden Vorträge. Im ersten Beitrag erläuterte Dr. med. Sophie Schwiedergoll, welche Fortschritte es in der Therapie der Multiplen Sklerose in den vergangenen Jahren gegeben hat. Die junge Medizinerin erklärte, dass es immer kürzere zeitliche Abstände zwischen der Zulassung neuer Präparate gibt. Diese erlauben immer ambitioniertere Therapieziele – allen voran das große Ziel der Freiheit von Krankheitsaktivität. Die Ärztin in Weiterbildung stellte bereits bekannte Präparate und viele neue Medikamente vor, die das Fortschreiten von Multiple Sklerose bremsen und bestenfalls zum Stillstand bringen sollen. Natürlich wurden auch die möglichen Nebenwirkungen der teils aggressiven Präparate aufgezeigt, die oftmals das Immunsystem der Patienten beeinflussen. Schwiedergoll ermunterte die Betroffenen aber auch zur aktiven Mitwirkung: Der beste Therapieplan nütze nichts, wenn die Patienten am Ende das Medikament einfach absetzen würden.

Nach dem spezifischen Vortrag zum Auftakt folgte ein leichter verständliches, aber nicht weniger wichtiges Thema: Diplom-Psychologe Ralf Kühnel lud die Anwesenden auf eine Entspannungsreise für Geist und Seele ein. Neben der Vorstellung von Atemübungen und dem Hinweis, man solle das Hier und Jetzt genießen – beispielsweise bewusst essen – forderte Kühnel die Anwesenden dazu auf, durch spezielle Gedankenspiele und das Training von räumlichem Denken die Verbindungen von Synapsen im zentralen Nervensystem zu trainieren.

Im letzten Vortrag des Tages sprach Chefarzt Dr. med. Stefan Merkelbach über das Thema Multiple Sklerose und Schwangerschaft. Neben den möglichen Auswirkungen der verschiedenen Therapieformen auf Schwangerschaftsverlauf und den Nachwuchs klärte der Neurologe darüber auf, dass die Erkrankung nicht direkt vererbt wird. Allerdings können Kinder von Multiple Sklerose-Patientinnen ein leicht erhöhtes Risiko in sich tragen, eine Autoimmunerkrankung zu entwickeln. Für die vielen anwesenden jungen Frauen war vor allem der Fakt interessant, dass die hormonellen Veränderungen im Körper der Mutter während einer Schwangerschaft und während des Stillens eine positive Wirkung auf die Krankheitsschübe habe.

Dass das Interesse am Thema Multiple Sklerose groß ist, zeigten auch die vielen Fragen der Besucher nach jedem Vortrag. Neben Rückfragen zu einzelnen Medikamenten wurde beispielsweise die Frage gestellt, ob eine an Multiple Sklerose erkrankte Schwangere ihr Kind nur per Kaiserschnitt auf die Welt bringen solle, oder auch eine Spontangeburt denkbar wäre. Die Antwort von Dr. med. Merkelbach war einfach: „Wenn eine Mutter körperlich fit ist, sehe ich keinen Grund, warum sie ihr Kind nicht auf natürliche Weise auf die Welt bringen sollte.“ Abschließend betonte der Chefarzt noch einmal, dass die Forschung bei der Bekämpfung der noch nicht heilbaren Erkrankung immer weiter voran schreite: „Noch vor 20 Jahren dauerte die Diagnose der Multiple Sklerose bis zu sieben Jahre, nachdem erste Krankheitsanzeichen auftraten. Heute liegt dieser Zeitraum im Mittel bei nur noch einem Jahr. Dank der modernen MRT-Untersuchungen kann man die Diagnose sogar binnen drei Wochen nach einem ersten Schub stellen. Durch die schnelle Diagnose und die modernen Therapieformen haben wir die Mittel, massiv in den Verlauf der Krankheit einzugreifen, die sich mit so vielen Symptomen – den tausend Gesichtern – zeigen kann“, machte der Chefarzt den Anwesenden Mut.


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