Bunte Wiese am HBK lockt Schmetterlingsvielfalt an

01.08.2017

Vorher-nachher-Vergleich: Die HBK-Schmetterlingswiese zu Beginn des Jahres und ...
Ein Schild an der Wiese weist auf das Projekt "Puppenstuben gesucht" hin
Seit Anfang des Jahres wird die Grünfläche zwischen Haus 7a und Haus 9 am Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikum nicht mehr gemäht. Wer sich beim Vorbeigehen schon einmal nach dem Grund gefragt hat, kann beim genaueren Hinsehen die Antwort selbst entdecken: Die Wiese ist bereits zu einem Zuhaue von zahlreichen Schmetterlingen sowie anderen Insekten und Pflanzen geworden.

Gemeiner Bläuling, Großes Ochsenauge, Mauerfuchs, Früher Kommadickkopf, Schornsteinfeger: Diese wunder-sam klingenden Namen gehören den bereits gesichteten Schmetterlingen auf der bunten HBK-Wiese. Und das sind noch längst nicht alle Funde. Über zehn verschiedene Arten hat Dr. med. Bernhard Karich, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Physikalische Medizin sowie Schmetterlingswiesen-Initiator auf dem Klinik-Gelände bereits entdeckt und auch mit der Kamera festgehalten.

Die Idee zur HBK-Schmetterlingswiese kam dem Chefarzt beim Lesen eines Freie Presse-Artikels im Februar dieses Jahres. Darin wurde erläutert, wie einfach es ist, eine blühende Wiese und damit eine bessere Lebensgrundlage für Schmetterlinge, Insekten und Vögel zu schaffen. Gleichzeitig wurde der Mediziner und Naturfreund auf das Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ aufmerksam. „Die über 2.000 m² große Grünfläche zwischen Haus 7a, Haus 17 und Haus 9 eignet sich perfekt für das Vorhaben“, erzählt Karich. So beschloss er kurzerhand, die Idee der Krankenhausleitung vorzustellen. Mit deren Zustimmung fiel im März der Startschuss der Aktion. Unterstützt von Mitarbeitern, die ihren grünen Daumen in ihrer Freizeit nicht nur im heimischen Garten, sondern auch am Arbeitsort unter Beweis stellen wollten, wurden auf der sonnigen, nährstoffarmen Trockenwiese in einer ersten Pflanzaktion unterschiedliche Blütengewächse angesiedelt. Seither wächst und gedeiht die Fläche und zahlreiche Tier- und Pflanzenarten haben sie bereits als Lebensraum angenommen. „Es hat sich alles toll entwickelt. Seit Juni blüht die Wiese wunderschön“, freut sich der 56-Jährige. „Gelber Klee, Habichtskraut, Hahnenfuß, Grasnelken und Schafgarbe sind nur einige Beispiele. Es ist eindrucksvoll zu sehen, wie der Mangel Vielfalt produziert.“

Dr. med. Bernhard Karich hält seit Projektbeginn engen Kontakt mit Matthias Nuß, Leiter der Schmetterlingssektion am Senckenberg Museum für Tierkunde in Dresden. Zusammen mit der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt, dem Naturschutzbund Deutschland und dem Deutschen Verband für Landschaftspflege betreut er das Projekt „Puppenstuben gesucht“. Durch die übliche Art der Grünflächenbewirtschaftung – ein kurz geschorener Rasen – sind in Sachsen in den vergangenen Jahren von einst 114 heimischen Schmetterlingen 16 Arten ausgestorben oder verschollen und 20 Arten vom Aussterben bedroht. Es fehlt an hohem Gras und vielen Blumen. Nuß sieht vor allem den Einsatz von Pestiziden und Dünger problematisch – und das intensive Mähen der Wiesen. Mit dem im Mai 2015 ins Leben gerufenem Projekt sollen sich die Lebensbedingungen für Flora und Fauna verbessern.

Auf der Projekt-Website www.schmetterlingswiesen.de berichtet Chefarzt Karich regelmäßig von seinen Beobachtungen zum bunten Treiben auf der HBK-Wiese und den gefundenen Schmetterlingsarten. „An der Wiese soll demnächst auch eine Übersichtstafel mit Fotos und Beschreibungen angebracht werden, die Auskunft über die Tier- und Pflanzenarten gibt. Auch ein Insektenhotel ist in Planung und soll die Wiese bereichern“, erzählt Dr. med. Bernhard Karich. Eine Auswahl der bunten Artenvielfalt, die der Chefarzt bereits mit seiner Kamera dokumentieren konnte, können Sie sich auf den nachfolgenden Seiten anschauen. Wer die schönen Naturmotive nicht nur auf dem Foto, sondern auch einmal „live“ bestaunen möchte, kann gern einen Spaziergang in Richtung Haus 17 (Lungenzentrum) und Haus 9 (Geriatrie) unternehmen. Auch Matthias Nuß möchte sich demnächst vor Ort von der Vielfalt überzeugen und hat eine Stippvisite an der HBK-Schmetterlingswiese für Mitte August angekündigt.